Chronik Teil 2

Ab 22.7.1946 leitete Martin Vollbrecht, seit 12.1.1948 wieder Heinrich Reul die Geschicke des Skiclubs. Am 15.3.1949 wurde Wilhelm Staubach zum 1.Vorsitzenden gewählt. Er hatte dieses Amt 17 Jahre lang inne. In seiner letzten Wahlperiode bestand unser Club 25 Jahre. Die Feier zum 25jährigen Vereinsjubiläum fand am Samstag, dem 11. Dezember 1965, im Saal des Feuerwehr-Gerätehauses statt. Nach Wilhelm Staubach als Vorsitzender folgten Helmut Reul von 1966 bis 1974 und seitdem ist unser Kamerad Franz Haubner im Amt.

chronik08Das Amt des 1. Vorsitzenden ist nicht leicht, denn viele Mitglieder bedeuten oft viele Meinungen und nur ein guter Steuermann vermeidet die Klippen und erreicht das Ziel.

In unseren Breiten ist es unmöglich, in einem Skiclub nur Wintersport zu betreiben. Die Winter sind kurz und der Schnee oft Mangelware. Es müssen also auch andere Aktivitäten entfaltet werden, vor allem um die lange Sommerpause zu überbrücken.

In erster Linie ist da das Wandern zu nennen, das von Anfang an zu unserem Programm gehört.

In den langen Jahren führten wir viele Wanderungen in der näheren und weiteren Umgebung durch. Schon früh wurden auch die alljährlichen Omnibusfahrten zu einem festen Bestandteil des Jahresprogramms.

chronik10Aus früheren Jahren darf ich nennen:

1949:An den Rhein

1951:Fahrt ins Blaue= Taunus

1952:RhönNeustadt an der Weinstraße

1953:EdertalsperreLahntal

1954:Münster am Stein

Fahrt ins Blaue = Odenwald

1955:VogelsbergWürzburg

1957:An Lahn und Rhein

1958:Taunus, Wispertal und Rhein Bad Brückenau

1959:Bad Mergentheim

1960:Schwarzwald

1964:Rhein von Oberwesel nach Ingelheim.

chronik09In den späteren Jahren wurden infolge der fortschreitenden Motorisierung die Vereinsausflüge meist mit eigenen Pkws durchgeführt. So fuhren wir oft in den Vogelsberg und beteiligten uns an naturkundlichen Wanderungen. Wir waren in Frammersbach und in der Lützel, in Brandobernburg und im Odenwald. Immer wurde dort gewandert, dann irgendwo in freier Natur Tische und Hocker aufgebaut, Holzkohlengrills angeheizt und, während die Würstchen und Schnitzel brutzelten, Ball gespielt, getrunken und erzählt. Es waren immer frohe Stunden.

Auch mehrtägige Ausflugs- und Wanderfahrten wurden immer wieder einmal durchgeführt. 1974 waren wir 3 Tage in Holland zur Tulpenblüte. Im gleichen Jahr zelteten wir mit der Bergwacht Erlensee-Langendiebach, mit der wir seit 1964 in Freundschaft durch gegenseitige Mitgliedschaft verbunden sind, in der Rhön. 1977 machten wir eine mehrtägige Fahrt an den Walchsee, 1978 eine Fahrt in das Gschnitztal in Tirol, ebenso 1979. Eine Gruppe fuhr zu einem Kletterlehrgang ins Kaiserbachtal bei Kufstein, andere nahmen an den berühmten Karwendel- und Kaiserwanderungen teil.

Erwähnt sei auch unser Ausflug zum Westernclub Frankfurt auf die Hammer-Ranch.

chronik11Das Hauptgewicht unseres Wandersports lag sicher auf den von unserem Verein seit 1973 durchgeführten Volkswanderungen. Schon an dem 1. Volkswandertag nahmen über 400 Wanderer teil und seitdem wurden es von Jahr zu Jahr mehr. Die Organisation erfordert stets den vollen Einsatz der Mitglieder. Da müssen Abzeichen, Diplome und Plakate beschafft werden. Die Wanderstrecke ist festzulegen und zu markieren. Start und Ziel und mehrere Kontrollstellen sind für etwa 10 Stunden zu besetzen. Es muss für Tee und Erfrischungen an der Strecke gesorgt werden und am Ziel müssen Getränke und ein Mittagsmahl bereit stehen. Unsere Frauen kochten schon seit dem Vortage ihre unübertroffene Erbsensuppe in der Gulaschkanone.

Seit 1977 gehörten wir der Europäischen-Volkssport-Gemeinschaft (EVG) als Mitglied an und führten unsere Wanderungen als Europäische Volkswandertage durch.

Dadurch ergab sich ein erheblicher Zuspruch auch von Mitgliedern der anderen angeschlossenen Vereine. Unsere Wanderabzeichen, gestaltet von unserem altbewährten Designer Heinz Mickel, fanden immer guten Anklang. Als wertvolle Erinnerungsstücke sind die Medaillen mit Windecker Motiven anzusehen, mit Wartbaum, Burgtor, Hexenturm, Rathaus, Stiftskirche und Stadtmauer. Sie wurden bisher jeweils in Gold für die große Wanderstrecke von 23 Kilometern und in Silber für 10 km verliehen.

Wir beteiligten uns natürlich auch an den vielen Volkswanderungen der anderen Vereine des Verbandes und hatten den Ehrgeiz, möglichst einen Pokal für die stärkste Wandergruppe zu erringen.

Zu jeder Wanderung wurde einige Wochen vorher schon eine Vorwanderung gestartet, bei der die Strecke festgelegt wurde und an der sich viele Vereinsmitglieder beteiligten, die am eigentlichen Wandertag im Einsatz sind und nicht mitwandern konnten. Und im Herbst führten wir eine Nachwanderung durch, die in einer anderen Route alle Gemarkungen Nidderaus berührte und als „5-Stadtteile-Wanderung“ nochmals Gelegenheit zum Erwerb des Wanderabzeichens gab.

chronik12Seit 1989 hat sich im Wandersport eine Wandlung vollzogen. Der SCW trat aus der Europäischen Volkssportgemeinschaft (EVG) aus, da von Seiten der Mitglieder das Interesse, bei EVG-Veranstaltungen mitzuwirken, immer geringer wurde.

Die Wanderungen wurden jetzt vereinsintern angeboten. Sie führten in die nahegelegen Mittelgebirge und Flusslandschaften und fanden bei den Wanderfreunden des SCW ein sehr positives Echo.

Am 1. Mai jeden Jahres ziehen wir seit 1969 hinaus in den Windecker Wald an die Aurora und feiern mit unserem Freundeskreis und vielen vorbeikommenden Spaziergängern den neuen Frühling unter dem zartgrünen Laub der aufbrechenden Buchen

chronik13Dafür brachten wir dem Wald aber auch einen Ausgleich, denn viele Jahren lang riefen wir im April zu einer Aktion ,,Sauberer Wald“ auf. In oft schwerer Arbeit bei nicht immer gutem Wetter mussten oft mehrere Lastwagen voll Unrat gesammelt und abtransportiert werden. Es ist einfach unverständlich, wie gewissenlos manche Leute mit unserer schönen Natur umgehen. Leider musste diese Aktion eingestellt werden, als die Stadt für den Abtransport des Mülls eine Gebühr vom Verein verlangen wollte.

Zum 2.Osterfeiertage wurde meist mit vielen Kindern ein Spaziergang ins Grüne unternom-men, verbunden mit einem großen Ostereiersuchen. An Sommerveranstaltungen seien noch genannt verschiedene Abendwanderungen und vor allem unsere Grillfeste. Lange Jahre führten wir sie als Steinkautfeste durch, seit Jahren dank der freundlichen Unterstützung des Roten Kreuzes auf dessen Gelände und in ihrem Clubhaus auf dem Burgstück. Bis jetzt ist noch keines dieser Feste misslungen und um den brennenden Holzstoß herrscht gute Kameradschaft. Die Kinder tragen brennende Fackeln, von den Grillrosten steigen die besten Düfte auf und die Gläser werden manches mal geleert.

Zum Wandern ist noch nachzutragen, dass wir an jedem Fastnachtssonntag mit Kind und Kegel bunt maskiert und mit manchen Überraschungen ich nenne nur die tragbare Saftbar rch Windecken und die Gemarkung spazieren und uns dann in unserem Vereinslokal oder im Gasthaus Merz zu einem zünftigen Kräppelessen mit Kaffee und dann auch Glühwein zusammen setzen. Und da sind wir doch noch einmal beim Karneval. Der gehört nach wie vor in unseren Skiclub. Wir führen jedes Jahr einen Kostümball mit unseren Freunden im Feuerwehrgerätehaus durch und jedes Jahr auch einen Kindermaskenball. Und im Spätherbst steigt unser beliebter Hüttenabend mit bunten Einlagen und manchem Gaudi. Und wems dabei nicht gefällt, wer hungert, friert oder dürstet, dem ist nicht zu helfen.

An geselligen Veranstaltungen sind noch zu nennen die Nikolausfeier und die Lichtbilder- und Filmabende im Vereinslokal oder im evangelischen Gemeindehaus.

Weitere Aktivitäten auf diesem Gebiet werden entfaltet bei der Teilnahme an Veranstaltungen anderer Vereine durch Mithilfe an der Kasse oder Theke oder auch aktiv wie bei der Vereinsolympiade des Turnvereins, und einem Fußballturnier des Sportclubs Eintracht.

Und nicht vergessen werden darf unser traditioneller Frühschoppen am Pfingst- und Herbstmarkt, bei dem sich immer viele Mitglieder treffen und mindestens 1 Fass Bier leeren.

Und dann fahren wir zu unserem Bruderverein, der Bergwacht Erlensee und feiern mit ihnen ihr Oktoberfest oder auf der Herchenhainer Höhe die Schnee-schmelze.

Nach diesem ausführlichen Abstecher in die Geselligkeit komme ich wieder zum Sport zurück.

chronik14Zunächst soll einmal verdeutlicht werden, dass zum Skisport zur Trainierung des Körpers und zur Verbesserung der Kondition auch ein Ausgleichssport gehört. Wir haben deshalb von Anfang an auf diesem Gebiet Gelegenheiten geboten, die erforderlichen Geräte und Hilfsmittel beschafft und Übungsstunden und Trainingslehrgänge veranstaltet. Da gab es Trockenkurse in der Turnhalle. Lange Jahre spielten wir in der früheren Steinkaute Faustball und ebenso lange beteiligte sich eine Federballgruppe an diesem Sport in Zusammenarbeit mit dem Turnverein Büdesheim. Nach 1968 wurden auch regelmäßig Schwimmabende durchgeführt. Hockey wurde gespielt und unsere Gymnastikabende sind nach wie vor ein wichtiges Element der Vereinsarbeit. Unsere Klettergruppe ist weiterhin aktiv in alten Steinbrüchen der Umgebung.

chronik15Der Skisport aber ist nach wie vor unser Hauptanliegen und die Seele unseres Vereins. Wenn wir in den Anfangsjahren mit dem damals noch verkehrenden Skisonderzug in den Vogelsberg fuhren, verlagerte sich die Fahrt dann auf angemietete Autobusse oder Privatwagen. Sowie es die Witterungslage zulässt und genügend Schnee liegt, fährt unser Verein hinauf in den Vogelsberg oder die Rhön. Dort werden von inzwischen ausgebildeten eigenen Übungsleitern und Skilehrern Kurse und Übungsläufe durchgeführt, wie dies schon vor Jahren durch unser verstorbenes Ehrenmitglied Oskar Neumann geschah. Die Ausbildung und die Schulung unseres jetzt wirklich in großer Zahl vorhandenen Nachwuchses muss ein Hauptanliegen der Vereinsarbeit sein und bleiben. Wir sind froh, dass sich zu dem viele Jahre vorhandenen alten Stamm jetzt eine neue Generation gefunden hat, die mit voller Kraft in das Vereinsgeschehen eingreift und es bald in ihre Hände nehmen wird. Diese Jugend ist es auch, die bei den alljährlich im Vogelsberg durchgeführten Vereinsmeisterschaften die Sieger stellt und die zu der Hoffnung berechtigt, dass wir demnächst auch Erfolge auf überörtlicher Ebene erringen können.